Survival für Frauen – Vielleicht hast du dir Survival immer ganz anders vorgestellt.

Freitag, 4. September 2020. Ich bin alleine zuhause.

Die Kinder (5 und 7) und der Mann würden übers Wochenende nicht da sein und ich könnte doch endlich mal was Verrücktes tun. Ich spüre ein irrsinniges Verlangen im Herzbereich – nach Abenteuer, Rausgehen, etwas Erleben.

Und da ist diese fixe Idee in meinem Kopf, dass es doch möglich sein müsste, einfach in einem Wald zu schlafen. Aber irgendwie ist das doch nur was für mutigere Menschen, in erster Linie Männer – weil als Frau wäre das doch viel zu gefährlich, unvernünftig.

Wenn irgendetwas passieren würde, wäre ich natürlich selbst schuld. Ich konnte die Stimmen schon hören, „Braucht sich keiner wundern, wenn sie sowas macht“, noch dazu als Mutter… ich weiß nicht, was mir den Mut gibt, aber ich fahre kurz vor Ladenschluss mit dem Rad zu Kastner&Öhler und kaufe mir einen Biwacksack. Dann fahre ich weiter.

In einen Wald.
Einfach so.
Das ist der Beginn meiner Survival-Reise.

Die Nacht, die alles verändert hat

Meine erste Nacht im Wald (2020)

Ich allein. Mit einem knall-orangen Biwaksack in einem fremden Wald.

Mehr Angst vor Männern als vor Tieren.
Eingekuschelt in meinen Schlafsack.
Mit wild klopfendem Herz.

Meine Nachricht an meinen Mann um 3:50 Uhr: „Hab so schnell eingeschlafen….geht mir gut.“ Und dann bin ich nochmal eingeschlafen.

Noch heute, Jahre später und ohne ein Foto von meinem Gesicht, erinnere ich mich an die Gefühle, als ich aufgewacht bin.

Ungläubigkeit („Ich hab das wirklich gemacht“)

Stolz („Ich hab das wirklich geschafft“)

Erstaunen („So was Besonderes war das ja gar nicht“)

Ruhe („Ich spüre mich, ich bin bei mir“)

Verbundenheit („Wow, die Luft, die Bäume, ich inmitten“)

Warum ich mich in der Survival-Welt lange nicht wiedergefunden habe

Ich war angefixt, wie man so schön sagt. Und suchte Wege, dieses Abenteuer mehr in mein Leben zu holen. Und kam wieder sehr ab von meinem selbstbestimmten, urigen Weg. Ich wollte einfach draußen sein und – schwupps – war ich in eine Welt aus Techniken, Ausrüstung und männlich geprägten Bildern abgetaucht.

Die Outdoor-Trainer-Ausbildung, geleitet von zwei Miliz-Soldaten. Survival-Serien wie 7vsWild mit keinen bis wenig Teilnehmerinnen, und wenn dann keine Survival-Expertinnen. Ein Survival-Basistraining bei einem österreichischen Anbieter, geleitet von zwei Männern.

Ich konnte sehr viel mitnehmen, Wissen aneignen, ausprobieren, durch zuschauen lernen, meine Komfortzone ausweiten. Alle waren in ihrem Bereich Experten (ohne zu gendern) und ich bin zutiefst dankbar für alles, was sie mir auf meinen Weg mitgegeben haben.

Und doch – wo waren die Survival-Frauen?

Ich suchte sie und fand auch einige (es gibt sie!).
Aber irgendwie waren sie nicht wirklich greifbar für mich.

Bei mir blieb das Bild bestehen, dass wir Frauen „Sonderlinge“ im Feld des Survivals sind, anders halt. Und irgendwie nicht so wertvoll, weil es sich wie ein Eindringen in ein männliches Feld anfühlte.

Wo für mein Gefühl, meine Erfahrungen, meine Bedürfnisse wenig Platz ist.

Schon in der Outdoor-Ausbildung hab ich mich gerne mit den Frauen umgeben...

Als ich merkte: Ich bin mit diesem Wunsch nicht allein

2022 war es nach einem langen Weg aus Kündigung meines sicheren Jobs, Aus- und Weiterbildungen endlich soweit – mein erstes Survival-Angebot mit Schwerpunkt Mentaltraining und Zielgruppe Frauen wurde geboren. Aber traf das Angebot wirklich auf Nachfrage? War mein „Unique selling point“ wirklich relevant und überlebensfähig? Oder war ich doch allein mit meinem Wunsch nach neu gedachtem Survival?

Wenn ich dir verrate, dass ich den Satz „Ich wollte schon lange Survival machen, aber eben nicht militärisch“ so oder so ähnlich in den letzten Jahren von so vielen Frauen gehört habe – glaubst du mir dann, wie befreiend es sich für mich angefühlt hat?

Dass ich mit meinem Gefühl tatsächlich nicht alleine war, dass es diesen Wunsch gibt nach Verlassen der Komfortzone und Eintauchen in die Natur – in einem Rahmen, der sich mehr nach Ankommen und Erleben als nach Druck und Konkurrenz anfühlt.

Survival darf sich anders anfühlen

Meine ersten Angebote waren noch sehr konventionell. Mir ist irgendwann aufgefallen, dass ich Methoden übernommen hatte, die gar nicht zu meiner Haltung passten.

Ein Beispiel?
Ich hatte die Übung einfach übernommen, dass jede Teilnehmerin beim Feuer machen drei Streichhölzer bekommt und damit schaffen soll, das Feuer zu entzünden. Alle schauten dabei zu. Kein Wunder, dass das Druck erzeugt und Angst schürt zu Versagen. Auch gut gemeinte Worte können die negativen Auswirkungen dieses Settings nicht kompensieren.

Und so sehr Survival, wenn es ums tatsächliche, echte Überleben geht ein anstrengendes, hartes Unterfangen ist, muss das aus meiner Sicht nicht künstlich erzeugt werden in einer ersten Begegnung mit Survival.

Mit der Zeit entwickelte sich in meinen Angeboten immer mehr ein roter Faden, der auch generell im Survival wichtig ist: Als Gruppe ist man stärker als alleine.

Und diesen Grundgedanken, keine Konkurrenz, sondern ein Miteinander und gegenseitige Unterstützung spiegelt sich auch in der Auswahl und Anleitung der Survival-Übungen wider.

Wir bilden kleine Teams für bestimmte Aufgaben.

Wir lernen gemeinsam Feuer machen, ohne dass jemand vorgeführt wird.

Jede darf so lange probieren und sich die Zeit nehmen, die sie braucht.

Und wirklich jede Frage ist willkommen und das Thema Scham wird gleich mal zu Beginn von mir beim Thema Pinkeln, Stuhlgang und Menstruation angesprochen – sodass gleich mehr Leichtigkeit reinkommt.

Feuer machen im eigenen Tempo lernen...

Vielleicht hast du bisher geglaubt…

„Ich bin die Langsamste“ oder „Ich trau mich zu sowas alleine nicht hin“ oder „Ich bin nicht sportlich genug“ – und jetzt hast du eine Idee davon bekommen, dass das nicht die hilfreichsten und relevantesten Gedanken sein sollten.

Vielleicht dürfen stattdessen langsam andere Gedanken Platz bekommen, „Ich darf neugierig sein, ohne schon etwas zu können.“ Oder „Ich darf in meinem Tempo lernen.“ Oder „Ich muss nicht mutig sein. Ich darf trotzdem anfangen.

Vielleicht beginnt das größte Abenteuer gar nicht draußen im Wald. Sondern mit dem Satz: „Ich glaube, ich probiere das jetzt einfach."

So wie ich.
Die Frau, die damals mit klopfendem Herzen im orangen Biwaksack lag, begleitet heute andere Frauen bei ihrem ersten Schritt.

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Dein nächster Schritt nach draußen

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